Mykorrhiza – die unsichtbare Symbiose, die Pflanzen stärker macht
Wie ein uraltes Bündnis zwischen Pilz und Wurzel Wasser und Nährstoffe an die Pflanze bringt – und warum es im modernen Substrat oft fehlt
Kategorie: Fachwissen / Erstellt am: 27.07.2026 / Erstellt von: Mack-Team
Rund 90 % aller Landpflanzen leben in Partnerschaft mit einem Pilz – und die meisten von uns bekommen davon nie etwas zu sehen. Diese Symbiose aus Pilz und Wurzel heißt Mykorrhiza, und sie entscheidet mit darüber, wie kräftig eine Pflanze wächst, wie gut sie mit Trockenheit zurechtkommt und wie zügig sie sich mit einem leistungsfähigen Wurzelwerk etabliert. Höchste Zeit, einen Blick auf die kleinen Helfer im Wurzelraum zu werfen.
Was Mykorrhiza bedeutet – Pilz und Wurzel als Team
Das Wort setzt sich aus den griechischen Begriffen „mykes" (Pilz) und „rhiza" (Wurzel) zusammen und beschreibt genau das: eine enge Lebensgemeinschaft zwischen Pflanze und Pilz zum gegenseitigen Vorteil. Spezialisierte Pilze besiedeln die Pflanzenwurzeln und entwickeln von dort aus ein weit verzweigtes Myzelgeflecht. Dieses feine Fadenwerk vergrößert das für die Pflanze nutzbare Bodenvolumen enorm – die Wurzel reicht damit praktisch viel weiter, als sie es aus eigener Kraft je könnte.
Der Nutzen ist wechselseitig: Der Pilz versorgt die Pflanze mit Wasser und Nährstoffen – allen voran Phosphor – und erschließt ihr über sein Myzel einen deutlich größeren Wurzelraum. Im Gegenzug erhält er von der Pflanze Kohlenhydrate, die bei der Photosynthese anfallen und die er für sein eigenes Wachstum braucht. Ohne dieses Bündnis wachsen die meisten Pflanzen nur spärlich.
Zwei Formen, ein Prinzip: Ekto- und Endomykorrhiza
So verbreitet die Mykorrhiza ist, so unterscheidet man doch zwei grundlegende Formen. Bei der Ektomykorrhiza legt sich der Pilz vor allem um die äußeren Schichten der Wurzel, ohne in die Zellen einzudringen. Diese Form finden wir bei vielen Laub- und Nadelgehölzen – typische Pilzpartner sind hier etwa Pisolithus tinctorius oder Rhizopogon. Zu den Wirtspflanzen zählen Buche, Birke, Eiche, Fichte, Kiefer, Lärche, Linde, Pappel, Tanne, Weide und Walnuss.
Bei der Endomykorrhiza dringt der Pilz dagegen bis in die inneren Wurzelgewebe und sogar in die Wurzelzellen selbst ein. Sie ist die mit Abstand häufigere Variante und wird überwiegend von Pilzen der Gattung Glomus gebildet. Fast alle übrigen Pflanzen leben mit dieser Form – von Obstbäumen, Ahorn und Magnolie über Rosen, Geranien, Fuchsien und Weihnachtssterne bis zu Tomaten, Sonnenblumen und den meisten Zierpflanzen. Zwischen beiden Typen gibt es viele Übergangsformen.
Wo Mykorrhiza an ihre Grenzen kommt
Nicht jede Pflanze geht die Partnerschaft ein. Für Erikagewächse (Ericaceae) und Orchideen sowie für Kreuzblütler wie Senf und Raps, Gänsefuß-, Sauergras- und Proteengewächse ist eine Mykorrhiza-Impfung nicht sinnvoll – diese Arten setzen auf andere Strategien.
Verschlungene Wege: Wie Nährstoffe an die Wurzel gelangen
Dass die Symbiose funktioniert, ist lange bekannt – wie genau sie im Detail abläuft, gibt der Wissenschaft aber bis heute Rätsel auf. Ein Team um Manjula Govindarajulu an der New Mexico State University konnte einige dieser Details entschlüsseln und beschrieb, wie der Stickstoff in einem bemerkenswerten zweistufigen Prozess an die Pflanze weitergereicht wird.
Der Pilz nimmt Stickstoff als Nitrat aus dem Boden auf, reduziert ihn und baut ihn in die Aminosäure Arginin ein. Dieses Arginin wandert dann quer durch das Pilzgeflecht bis zu den Fäden in der Wurzelrinde, wo Pflanzen- und Pilzzellen in engem Kontakt stehen. Dort löst der Pilz den Stickstoff wieder aus dem Arginin heraus und gibt ihn – als Ammoniumion – an seinen Symbiosepartner ab. Das Kohlenstoffgerüst des Arginins behält der Pilz für sich. Bemerkenswert ist die räumliche Trennung: Im äußeren Geflecht sitzen die Enzyme für Nitrataufnahme und Argininaufbau, im Wurzelgeflecht jene für den Abbau. Ohne diese ausgeklügelte Nährstoff-Logistik wären die Pflanzen nur zu kümmerlichem Wachstum fähig (Nature, Bd. 435, S. 819).
Warum im Substrat oft nichts mehr wächst
So selbstverständlich diese Pilze in einem gesunden, gewachsenen Boden sind – im Gartenboden kommen sie heute vielerorts nicht mehr ausreichend vor, und in Substraten für die Pflanzenproduktion praktisch gar nicht. Torf, Dämpfung, intensive Kulturführung: Der Wurzelraum unserer Kulturpflanzen startet häufig ohne den natürlichen Partner. Genau hier setzt die gezielte Beimpfung mit Mykorrhiza an – sie bringt den fehlenden Baustein zurück ins System und hilft der jungen Pflanze, von Anfang an ein leistungsfähiges Wurzelwerk aufzubauen. Mit AMN Natural Aktiv-bio und AMN Natural Vegetal haben wir dafür zwei Produkte im Programm, die die Mykorrhiza direkt mitliefern.
Aus der Praxis: Was Versuche zeigen
Dass sich der Aufwand lohnt, zeigt sich im Feld. In einem Auftragsversuch mit Ruccola brachte die breitverteilte Gabe von Mykorrhiza (2 dt/ha, breit ausgebracht) gegenüber der unbehandelten Vergleichsvariante deutliche Unterschiede – ein schöner Beleg dafür, dass die Symbiose nicht nur im Gehölz, sondern auch in schnellen Gemüsekulturen ankommt. Und auch in der Baumschule bestätigt sich das Bild: An Ballenpflanzen lässt sich beobachten, wie die Pilze im Wurzelballen die Pflanzen bei der Nährstoff- und Wasserversorgung unterstützen.
Richtig anwenden – worauf es ankommt
Mykorrhiza lässt sich für fast alle Gehölze, Zierpflanzen, Gemüse und Gräser einsetzen. Bei Mack bio-agrar stecken die passenden Mykorrhiza-Pilze bereits in unseren Produkten AMN Natural Aktiv-bio und AMN Natural Vegetal – so bringen Sie den fehlenden Partner direkt ins Substrat bzw. an die Wurzel. Damit die Besiedelung gelingt und die Pflanze zugleich von Beginn an gestärkt wird, lässt sich die Anwendung sinnvoll mit einer passenden Pflanzennahrung wie BonaVita, AMN Verde oder AMN Powerdünger kombinieren; eine schwache organische Düngung fördert die Symbiose zusätzlich. Ein paar Punkte sollte man dennoch beachten:
- Fungizide mit Bedacht: Einige Fungizide können die Mykorrhiza beeinträchtigen. Zwei Wochen vor und nach der Anwendung sollte deshalb kein Fungizid eingesetzt werden. Insektizide und Herbizide sind bei sachgemäßer Anwendung nach bisheriger Erfahrung unkritisch – ein Herbizid, das die Wirtspflanze abtötet, lässt allerdings auch den Pilz absterben.
- Boden im Blick behalten: Bei einem Boden-pH über 8 oder einem sehr hohen Phosphorgehalt (Richtwert > 250 mg/kg Boden) arbeitet die Mykorrhiza langsamer – mit steigendem verfügbaren Phosphor sinkt der Nutzen.
- Nicht für jede Kultur: Erikagewächse und Orchideen bleiben außen vor.
Kleine Helfer, große Wirkung
Mykorrhiza ist kein Dünger im klassischen Sinn, sondern ein lebendiger Partner, der die Pflanze befähigt, das vorhandene Bodenpotenzial besser zu nutzen. Gerade in torfreduzierten und torffreien Substraten, bei zunehmender Trockenheit und dem Wunsch nach vitaleren Kulturen wird dieses uralte Bündnis wieder zum echten Werkzeug für den professionellen Gartenbau. Mit unseren mykorrhizahaltigen Produkten AMN Natural Aktiv-bio und AMN Natural Vegetal begleiten wir Sie gern dabei, dieses Potenzial für Ihre Kultur nutzbar zu machen – sprechen Sie uns an.
Quellen & Hintergrund: Mack bio-agrar, Allgemeininfos und Anwendungshinweise Mykorrhiza; „Die zwei Formen der Mykorrhiza"; FAZ vom 17.08.2005, „Nährstoffschub an der Wurzel" (nach M. Govindarajulu et al., Nature, Bd. 435, S. 819); Auftragsversuch Ruccola mit Mykorrhiza-Breitverteilung; Fachbeitrag zu Mykorrhiza an Ballenpflanzen. Mikroskopaufnahmen: Mack bio-agrar.