Von Ausfällen zur perfekten Pressballenware – eine Erfolgsgeschichte aus der Jungpflanzenproduktion
Wie ein Jungpflanzenbetrieb mit Mikroorganismen, Pflanzenextrakten und dem nötigen Praxiswissen zu gleichmäßig durchwurzelter Ware fand – und warum der Erfolg im Anmischwasser beginnt
Kategorie: Aus der Praxis / Erstellt am: 20.08.2026 / Erstellt von: Mack-Team
Vor der Umstellung: unregelmäßiges Auflaufen, schwache Feinwurzeln, spürbare Ausfälle in den Sätzen. Heute: Platte an Platte gleichmäßig durchwurzelte Pressballenware, die griff- und versandstabil beim Abnehmer ankommt. Was dazwischen liegt, ist kein Wundermittel, sondern das Zusammenspiel aus definierten Mikroorganismen, Pflanzenextrakten – und dem Praxiswissen, beides an der richtigen Stelle in die Kultur zu bringen. Die Geschichte eines Jungpflanzenbetriebs aus Süddeutschland.
Die Ausgangslage: Ausfälle und zu wenig Wurzel
Wer Jungpflanzen produziert, verkauft in Wahrheit Wurzeln. Der Pressballen muss bei der Auslieferung fest durchwurzelt sein – sonst zerfällt er beim Greifen und Setzen, die Pflanze wächst beim Abnehmer schlecht an, und aus einem Anzuchtproblem wird ein Kundenproblem.
Genau an diesem Punkt stand der Betrieb, als wir dazukamen: unregelmäßiges Auflaufen, schwache Feinwurzelbildung und Ausfälle, die sich durch die Sätze zogen. Am Engagement lag es nicht, an der Kulturtechnik auch nicht. Die Ursache saß tiefer – im Ballen selbst.
Ein Substrat lebt nicht von allein
In unserem Beitrag zur Mykorrhiza haben wir beschrieben, wie belebt ein gewachsener Boden ist – und dass moderne Substrate davon weit entfernt sind. Frisch angemischtes Substrat ist mikrobiologisch zunächst fast unbesiedelt, und welche Organismen es zuerst besiedeln, entscheidet mit darüber, ob die junge Wurzel dort Partner oder Gegenspieler vorfindet. Im Betrieb wurde zwar bereits eine mikrobielle Beimischung ins Substrat eingekauft – allerdings ohne definierte Zusammensetzung und Qualität. Verlassen konnte man sich auf diese Besiedelung nicht.
Die Umstellung: Impfen, wo die Wurzel entsteht
Gemeinsam mit dem Betrieb haben wir das Verfahren umgebaut. Zu Kulturbeginn wird jetzt eine definierte Mischung nützlicher Mikroorganismen – wurzelbesiedelnde Pilze und Bakterien – direkt über den Frischwasserzulauf der Erdbefeuchtung eingespeist. Während der Kultur folgen alle 8 bis 14 Tage Pflanzenextrakte im Sprühverfahren, die die Bestände vitalisieren und das Wachstum gleichmäßig halten.
Warum der Einspeisepunkt entscheidet
Das Anmischwasser verteilt die Mikroorganismen homogen durch den gesamten Ballen – und zwar genau in der Phase, in der die mikrobielle Konkurrenz im frischen Substrat noch gering ist. Die Nützlinge sitzen damit von Anfang an dort, wo die Wurzel später wächst. Nachträgliches Angießen erreicht dagegen nur die Ballenoberfläche.
Praxiswissen: die unscheinbarste Zutat
Der dritte Baustein taucht auf keiner Rechnung auf und ist oft der entscheidende. Die beste Rezeptur nützt wenig, wenn sie am falschen Punkt ins Verfahren kommt. Worauf wir bei der Umstellung geachtet haben:
- Wassermenge kennen: Erdbefeuchtung und Spritzbrühe wurden auf die tatsächlichen Wassermengen des Betriebs abgestimmt – nur so stimmt am Ende die Konzentration im Ballen und auf dem Bestand.
- Wasser im Blick behalten: Wasserhärte und pH-Wert der Spritzbrühe entscheiden mit über die Wirkung; bei hartem Wasser wird z. B. mit Citronensäure korrigiert.
- Warm ansetzen: Mikroorganismen brauchen Temperatur, um sich zu etablieren. Geimpft wird deshalb im warmen Mischraum – nicht auf der kalten Stellfläche.
- Nachimpfungen planen: Termingaben in der laufenden Kultur halten die Besiedelung stabil, statt dem Zufall überlassen zu bleiben.
Bemerkenswert ist dabei die Kostenseite: Die Substratimpfung liegt bei wenigen Euro je Kubikmeter, die Sprühanwendung unter einem Euro je 100 m² und Durchgang. Gemessen am Wert eines ausgelieferten Satzes Jungpflanzen ist das eine der günstigsten Stellschrauben der gesamten Kultur.
Das Ergebnis: Ware, die man gerne zeigt
Heute, einige Kultursätze später, zeigen die Häuser das Bild, das Sie auf den Fotos sehen: gleichmäßig aufgelaufene, vitale Bestände von der ersten bis zur letzten Platte. Die Pressballen sind fest durchwurzelt, die Ware ist griff- und versandstabil, die Ausfälle sind deutlich zurückgegangen – und die Abnehmer bekommen Jungpflanzen, die zügig anwachsen.
Ein einzelnes Produkt hat das nicht geleistet. Der Erfolg entsteht aus dem Zusammenspiel: ein früh etabliertes, definiertes Mikrobiom im Wurzelraum, regelmäßige Vitalisierung über Pflanzenextrakte – und ein Verfahren, das beides an der richtigen Stelle in die Kultur bringt.
Ihr Weg zur eigenen Erfolgsgeschichte
Jeder Betrieb ist anders: Substrat, Wasser, Kulturen und Technik geben den Rahmen vor. Deshalb beginnt bei uns jede Empfehlung mit dem Blick auf Ihr Verfahren – und endet mit einer Rezeptur, die zu Ihrem Betrieb passt. Ob Jungpflanzenanzucht, Pressballenkultur oder Topfware: Wir begleiten Sie von der ersten Analyse bis zur laufenden Kultur – sprechen Sie uns an.
Quellen & Hintergrund: Anwendungsempfehlung und Kulturbegleitung eines Jungpflanzenbetriebs durch Mack bio-agrar (2025/2026); Praxisrezepte Pressballenkulturen, Mack bio-agrar; Fotos: Mack bio-agrar / Betrieb. Der Betrieb ist der Redaktion bekannt und wird nicht namentlich genannt.
Links: vorher – ungleichmäßig entwickelte Sätze mit Fehlstellen im Bestand. Rechts: nachher – gleichmäßig aufgelaufene, vital durchwurzelte Pressballenware, Platte an Platte bereit für die Auslieferung.